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Blinddarm

Blinddarm entzündet: Wenn ein kleiner Darm Ärger macht

Bis zu 140.000 Mal pro Jahr stellt ein Arzt in Deutschland die Diagnose Blinddarmentzündung. Wobei der Mensch in jedem Lebensalter erkranken kann: Das Risiko liegt bei sieben bis acht Prozent. Ein störender und unnützer Begleiter? Wir geben einen Überblick. 

Inhalt:

Ursachen für eine Blinddarmentzündung

Ein entzündeter Blinddarm ist – aus medizinischer Sicht gesprochen – eigentlich falsch. Denn nicht der Blinddarm ist in diesem Fall betroffen, sondern der Wurmfortsatz (Appendix). Er ist in etwa so groß wie ein kleiner Finger und an der Verdauung nicht beteiligt. Entzündet sich dieser kleine Teil jedoch, kann es für den Betroffenen gefährlich werden. Die Ursache für eine Entzündung (Appendizitis) kann vielfältig sein. Meist geht einer Blinddarm- beziehungsweise einer Wurmfortsatzentzündung eine Verstopfung voraus. Dieser Verschluss kann entweder durch Kotsteine – also verhärtetem Kot – oder in seltenen Fällen durch Fremdkörper wie Kirsch- oder Melonenkerne entstehen. Hierdurch stauen sich Sekrete im Appendix, wodurch sich Dickdarm-Bakterien gut vermehren und die Entzündung auslösen können. Seltener sind Tumore oder Darmwürmer dafür verantwortlich. 

Auch wenn ein entzündeter Blinddarm an sich schon sehr unangenehm ist, kann dieser zusätzlich begleitend zu anderen chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten entstehen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Die Entzündung kann sich vom Ursprungsort, dem primären Entzündungsherd, auf den Wurmfortsatz ausbreiten. Als dritter Auslöser für eine Blinddarmentzündung gelten bakterielle Infektionen, die unterschiedliche Darmabschnitte wie eben den Wurmfortsatz betreffen können. Egal, wodurch die Blinddarmentzündung entstanden ist, betroffen ist jedes Alter. 

Symptome eines entzündeten Blinddarms

Ab wann sollte man sich Sorgen machen? Mediziner geben Hinweise, ab welchem Zeitpunkt Bauchschmerzen gefährlich werden können. Erste Anzeichen sind Bauchschmerzen um den Bauchnabel herum oder in der Magengegend. Schmerzen, die in den folgenden Stunden jedoch typischerweise in den rechten Unterbauch wandern. Folglich ist an der Stelle die Bauchdecke ungewöhnlich angespannt. Schon leichte Berührungen reichen aus, dass sich die Muskulatur über der entzündeten Region zusammenzieht und die Schmerzen verstärkt. Begleitend klagen Betroffene über Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen und Fieber.

Ein typisches Zeichen für eine Blinddarmentzündung ist auch das sogenannte Schonhinken. In der Akutphase werden die Schmerzen beim Gehen in der Regel stärker, weshalb Betroffene das rechte Bein nicht mehr anheben können und dieses storchenartig nachziehen. Der Arzt untersucht daher routinemäßig bei einem Verdachtsfall, ob der- oder diejenige schmerzfrei hüpfen kann. Kleinkinder hingegen haben oftmals untypische Schmerzen.

Wo im Bauch es genau weh tut, hängt von der Lage des Wurmfortsatzes ab, die von Mensch zu Mensch variieren kann. In der Schwangerschaft kann es vorkommen, dass der Appendix seine Lage verändert. Grund ist das wachsende Ungeborene, dass den Wurmfortsatz aus dem Unterbauch in den rechten Ober- und Mittelbauch verschiebt. Im Falle einer Erkrankung wandern die Schmerzstellen entsprechend an untypische Stellen. Oft spüren Schwangere eine Blinddarmentzündung durch Schmerzen in der Rückengegend.

Eine Blinddarmentzündung verläuft nicht immer akut

Eine Blinddarmentzündung muss jedoch nicht immer akut verlaufen. Mediziner unterteilen sie anhand ihres Schweregrads in eine einfache und eine destruktive Blinddarmentzündung. Bei der einfachen Entzündung (Appendizitis simplex) ist das Gewebe entzündet, aber nicht zerstört. Die zwei Stadien der Erkrankung heißen katarrhalisches und seropurulentes Stadium. Im ersten Fall ist der entzündete Wurmfortsatz geschwollen und gerötet, aber ohne, dass sich Eiter bildet. Diese Form kann sich spontan wieder zurückbilden. Gefährlicher ist das zweite Stadium, wenn sich Eiter bildet. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden kann sich daraus eine destruktive Blinddarmentzündung entwickeln. 

Die Erkrankung kann in manchen Fällen auch immer wieder auftreten. Eine chronische Blinddarmentzündung ist, anders als sonst, nicht auf einen Zeitraum begrenzt. Die oben genannten typischen Symptome treten über Jahre hinweg stets nur kurz auf und klingen nach ein paar Stunden wieder ab. Es handelt sich um eine chronisch-rezidivierende Appedinzitis.

Untersuchung bei Erkrankung

Bei Verdacht auf eine Blinddarmentzündung hat der Arzt mehrere Ansatzpunkte, um die Krankheit zu entdecken.

Untersuchung der Bauchdecke

Neben dem bereits genannten Hüpftest untersucht der Arzt meist zu Beginn den Unterbauch auf der rechten Seite. Er überprüft die Bauchdecke und achtet auf Druckschmerz an bestimmten Stellen. Genauso prüft er auch unbestimmten Druckschmerz in gewissen Bereichen des Bauchraums. Es gibt drei charakteristische Druckpunkte im Bauchbereich. Wobei nicht alle drei Punkte auf den eigentlichen Druck reagieren, sondern das Phänomen des Loslass-Schmerzes auslösen. 

Der Lanz-Punkt

Der Arzt zieht dazu auf seiner Suche eine imaginäre Verbindungslinie zwischen dem linken und dem rechten – durch die Haut tastbaren – vorderen Knochenvorsprung des Darmbeins. Dabei handelt es sich um den oberen, vorderen Darmbeinstachel. Diese Linie unterteilt der Mediziner in Drittel. Der Lanz-Punkt liegt dort, wo mittleres und äußeres rechtes Drittel aufeinanderstoßen.

Der McBurney-Punkt

Als McBurney-Punkt bezeichnet man einen Ort zwischen den beiden lateralen Dritteln der Verbindungslinie zwischen der rechten Spina iliaca anterior superior und dem Bauchnabel. 

Der Blumberg-Punkt

Beim Blumberg-Punkt drückt der Arzt etwa mit der Hand kontralateral. Das bedeutet, er drückt links auf der Gegenseite des entzündeten Wurmfortsatzes und löst daraufhin die Hand schnell wieder vom Bauch. Entsteht bei diesem Loslassen im rechten Unterbauch an der Stelle des Appendix ein Schmerzgefühl, gilt dies als positives Blumberg-Zeichen. Grund für den Schmerz ist eine Masseverlagerung des Darms, die den Wurmfortsatz reizt. 

Temperatur messen

Ein weiterer Hinweis ist Fieber. Das Thermometer wird für diese Untersuchung rektal im After eingeführt. Im Falle einer Blinddarmentzündung zeigt sich eine um mindestens ein Grad erhöhte Temperatur als beim Messen unter der Achsel.

Blutuntersuchung

Um Gewissheit zu erlangen, haben Mediziner noch die Möglichkeit einer Blutuntersuchung im Labor. Hierfür bestimmen Mediziner Werte, die bei einer Entzündung erhöht sind. Dazu zählt die Blutsenkungsgeschwindigkeit, die weißen Blutkörperchen und das C-reaktive Protein (CRP). Trotz hoher Sicherheit, die eine Blutuntersuchung gibt, kann eine Blinddarmentzündung auch unentdeckt bleiben.

Ultraschalluntersuchung

Eine weitere Methode ist eine Ultraschalluntersuchung, wodurch der entzündete Wurmfortsatz und eventuelle Komplikationen sichtbar erscheinen. Sind die Beschwerden jedoch sehr vieldeutig oder liegt der Wurmfortsatz an einer ungewöhnlichen Stelle, hilft eine Computertomographie (CT). 

Bei Frauen kommt eine weitere Komponente hinzu: Um eine Eileiterentzündung oder -schwangerschaft auszuschließen, nimmt der Arzt eine gynäkologische Untersuchung bei ihnen vor.

Risiken einer Blinddarmentzündung

Unbehandelt kann eine Blindarmentzündung schnell lebensgefährlich werden. Im Falle einer akuten Entzündung zerfällt das entzündete Gewebe allmählich und es besteht die Gefahr, dass der Wurmfortsatz platzt und es zu einem Darmdurchbruch (Perforation) kommt. Das liegt an dem Druck, der im Appendix steigt und ihn irgendwann zum Platzen bringt. Auf diesem Weg gelangen Bakterien in die Bauchhöhle, was wiederum das Bauchfell entzünden kann (Bauchfellentzündung oder Peritonitis) – eine lebensbedrohliche Situation. Mediziner raten, bei Verdacht einer Blinddarmentzündung zum Arzt zu gehen, da nach Ablauf von 48 Stunden das Risiko einer Bauchfellentzündung stark ansteigt. Laut Robert-Koch-Institut sterben in Deutschland jährlich mehr als 100 Menschen an einer akuten Appendizitis. Da es zu Verklebungen im Bauchraum kommen kann, ist letztendlich auch das operative Entfernen des Appendix erschwert.

Eine weitere Gefahr einer unbehandelten Blinddarmentzündung liegt darin, dass sie sich auf umliegendes Darmgewebe ausweiten kann. In seltenen Fällen führt eine Appendizitis zu einer Darmlähmung (Darmparalyse) oder einem Darmverschluss (Peritonitis). Tritt die Blinddarmentzündung in Verbindung mit anderen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn auf, können sich Fisteln bilden. Dabei handelt es sich um röhrenförmige Verbindungen zwischen Organen – in diesem Fall zwischen Appendix und anderen Darmabschnitten. 

Behandlung einer Blinddarmentzündung

In einigen Fällen erfolgt eine Behandlung mit Antibiotika. Allerdings ist dieser Ansatz nur wenig erfolgsversprechend. Am häufigsten operiert der Arzt bei einer Appendizitis. Dabei entfernt er den entzündeten Wurmfortsatz. Für die Operation stehen zwei Methoden zur Auswahl: zum einen die klassische Appendektomie mit einem großen Bauchschnitt (Laparotomie) und zum anderen die minimal-invasive (laparoskopische) Methode. Beide Mal ist der Patient während der rund 20 Minuten andauernden OP in Vollnarkose. Bei der klassischen, offenen Methode öffnet der Arzt den rechten Unterbauch mit einem etwa fünf Zentimeter langen Schnitt. Anschließend entfernt er den Wurmfortsatz und vernäht die Wundränder. Dadurch entstehen die bekannten Narben am Unterbauch. 

Die minimal-invasive Methode wird auch als operative Bauchspiegelung oder Schlüssellochmethode bezeichnet. In diesem Verfahren schneidet der Chirurg drei sehr kleine Bauchschnitte. Durch einen führt er ein stabartiges Gerät – das Laparoskop – in den Bauchraum. Daran angeschlossen sind eine Lichtquelle und eine Kamera. Letztere überträgt das Bild live auf einen Monitor. Über die anderen beiden Schnitte führt der Operateur die Instrumente ein und entfernt wie auch bei der klassischen Methode den Wurmfortsatz. 

Die Schlüssellochmethode eignet sich im Anfangsstadium einer Appendizitis. Ist die Entzündung schon weiter fortgeschritten, ziehen Ärzte meist die klassische Operationsmethode vor.

Prognose

Auch wenn jeder in seinem Leben an einer Blinddarmentzündung erkranken kann, sind meist Jugendliche im Alter von zehn bis 19 Jahren betroffen. Kleinkinder und ältere Menschen bekommen sie seltener. Wird die Erkrankung früh erkannt, verheilt sie meist ohne Folgeschäden. Wird sie jedoch zu spät oder gar nicht erkannt, kann sie lebensbedrohlich werden. 

Den Blinddarm an sich als nutzlos zu verteufeln, wird ihm aber auch nicht gerecht. Er enthält lymphatisches Gewebe und hat in der Kindheit einen wichtigen Anteil an der Bildung des Immunsystems. Außerdem ist der jetzige Stand der Forschung, dass dieser kleine Darmbereich das Reservoir für die Darmflora bildet. Nach einer Durchfallerkrankung stammt der Ersatz für verloren gegangene Darmbakterien aus dem Blinddarm. 

Quelle: https://www.ideal-versicherung.de/magazin/blinddarm-entzuendet-wenn-ein-kleiner-darm-aerger-macht/